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Buchrezension

TITEL Künstlerische Therapien und Spiritualität
UNTERTITEL Das Leben mit den Künsten begleiten: Ansichten, Befunde, Perspektiven
Herausgegeben von Alexandra Modesta Hopf, 2025

LEAD Eine Buchbesprechung von Klaus Frenzel
Erschienen in: Forum für Kunsttherapien, Jubiläumsausgabe 40 Jahre, 2026

Vom 20.- 22. Oktober 2022 veranstaltete die HBK Dresden eine Tagung des Aufbaustudiengangs KunstTherapie. Das Thema lautete: Künstlerische Therapien und Spiritualität. Eine Vielzahl von Fachpersonen aus dem akademischen Bereich sowie Künstlerischen Therapien kamen zusammen und boten schwerpunktmässig auf Kunst, Musik, Poesie und Psychodrama bezogene Vorträge und Workshops an. Die Kernfrage lautete: «Welche Bedeutung hat Spiritualität im Kontext Künstlerischer Therapien?» Das daraus entstandene Buch richtet sich mit seinen Beiträgen primär an Fachpersonen, die im Kunsttherapiebereich sowie im akademischen Bereich tätig sind.

«Spiritualität ist das, was uns Raum gibt, mit etwas Grösserem verbindet und uns darin (neu) atmen lässt» (Lydia Maidl, Vorwort)

Spiritualität ist für viele Menschen, insbesondere in Zeiten schwerer Erkrankung, andauerndem physischem und/oder psychischem Leid und dem nahenden Tod, eine wichtige und grosse Ressource. Die Beiträge der Autorinnen und Autoren dieses Buches liefern im ersten Teil «Ansichten» Betrachtungen zur Begriffsdefinition, die sich durchaus eignen, dem Phänomen Spiritualität konstruktiv und offen zu begegnen. Versammelt werden aber nicht nur verschiedene Betrachtungen, sondern auch konkrete Daten aus quantitativen wissenschaftlichen Erhebungen. Bereichernd ist zudem, dass nebst deutschsprachigen auch englischsprachige Beiträge eingebunden sind, und durch die (internationale) Vielfalt der verschiedenen Beiträge auch der Komplexität des Themas Rechnung getragen wird. Unterstützend ist zudem die Fülle von Fotografien, die Prozesse und entstandene Werke visuell zugänglich machen.

Künstlerische Therapien können sowohl Raum für bereits vorhandene und entwickelte Spiritualität sein als auch Raum für eine erwachende bzw. beginnende Spiritualität, die durch Krankheit und Leiden angestossen wurde. Im zweiten Teil «Impulse» wird sehr gut sichtbar, dass Spiritualität/Religion im therapeutischen Kontext zu einem grossen Teil Transkulturalität und kulturelle Sensibilisierung bedeutet. Somit ergibt sich für Angehörige der Kunsttherapieprofessionen ein Erforschungsauftrag. Die Argumentationen der verschiedenen Autorinnen und Autoren sind stets fundiert, und die Erfahrungsberichte aus dem Tagungsgeschehen, sowie anderweitig, untermauern die Theorie gewinnbringend. Kerstin Hof (S. 129–136) macht in ihrem Erfahrungsbericht deutlich, wie wirksam Poesie als Kunstform sein kann. Gleichzeitig zeigt sie, dass Kunsttherapeutinnen und -therapeuten nicht nur methodisch arbeiten, sondern mit ihrer Persönlichkeit und Spiritualität den Therapieprozess mitprägen und aktiv mitgestalten.

Bruce Howard Bayley (S.169-177) thematisiert philosophisch und theologisch fundiert den Kampf des Individuums mit der Polarität der Welt und das daraus entstehende psychische Spannungsfeld, welches Teil von psychischen Erkrankungen bis hin zu kriminellen Handlungen werden kann. Somit wird hier auch die Problematik, die Religion und Spiritualität innewohnt, sichtbar gemacht – nämlich das Konfliktpotential, das zwischen Weltanschauung und gelebter (Welt)Wirklichkeit entstehen kann. Bayley integriert in seiner Arbeit verschiedenes Gedankengut auf ganzheitliche Weise mit der Kunsttherapieform Dramatherapie und präsentiert drei Fallvignetten, die seine Methode gut veranschaulichen. Diese Rezension ist nur bedingt in der Lage die Essenz des Gesamtwerkes festzuhalten, da man von Essenzen im Plural reden muss. Das Buch lädt zur Exploration aller vorhandenen Beiträge ein.

Kritisch anmerken möchte ich den Gebrauch geschlechtersensibler Schriftsprache (Gendern), der in mehreren Beiträgen den Lesefluss erheblich beeinträchtigt.

Fazit:
Das Buch bietet eine vielschichtige, wissenschaftlich fundierte und zugleich ganzheitliche Auseinandersetzung mit der Thematik. Es gelingt überzeugend, zentrale Zusammenhänge verständlich darzustellen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Darüber hinaus setzt es wertvolle Impulse für Fachpersonen in den Künstlerischen Therapien, die der Spiritualität von Menschen in ihrer therapeutischen Praxis bewusster und vertiefter Raum geben möchten.

ISBN 978-3-11-138461
oder online frei zugänglich zum Herunterladen: https://doi.org/10.1515/9783111386386

Klaus Frenzel
Dipl. Ergotherapeut, Integrativer Poesie- und Bibliotherapeut

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