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Lyrisches Kaleidoskop -Gegenstandshumor

Lied für den Stuhl

Der Stuhl ist wahrlich so ein Feiner
ohne ihn, da geht es nicht
doch leider meint ihn damit keiner
wenn vom Vierbeiner die Rede ist

Der beste Freund des Menschen seien Hunde
sie wedeln, hecheln, lecken das Gesicht
der Stuhl ist treudoof da für beide
und kriegt dafür ans Bein gepisst

Stets zur Verfügung für Unsereiner
kein Gesäss, dass ihm zuwider ist
und das aufs Klo gehen, nennen wir Stuhlgang
Wie ihm wohl da zumute ist?

Der Stuhl er trägt, erträgt so manches
und manchmal knarzt er, wenn ihm übel ist
doch er bleibt standhaft, und wir danken
dass er so manches auf sich sitzen lässt

Und manchmal denkt er, an seinen Namensvetter
den Kot, der auch wird Stuhl genannt
Wie kommt der nur zu meinem Namen?
der Mensch erlaubt sich allerhand

Als Stuhl mit Würde lässt er verlauten
Ich bin vielmehr als nur Objekt!
er schwingt empor und wird Metapher
zum Lehrstuhl transzendiert er sich

So lasst uns nun dem Stuhl gedenken
der besser als ein Partner ist
denn dem Stuhl, dem tun wir dafür danken
wenn er uns sitzen lässt

© 2026 Klaus Frenzel

Hommage an mein I-phone

Oh mein holdes Telefon
lass es mich dir sagen
seit du in meinem Leben bist
hab ich kaum noch Klagen

Du bist ein Quell der nie versiegt
bringst beste Unterhaltung
wie herrlich die Applikationen
von Netflix bis zur Zeitung

Derweil bist du so elegant
so glatt und monochrom
die Augen deiner Kameras
verzaubern zig Millionen

Die Hunderte von Franken
zahl ich liebend gern
dem Apfel will ich huldvoll danken
für diesen edlen Stern

Alle Angelegenheiten
vom Einkauf bis zur Steuer
regelst und erledigst du
du bist mir lieb und teuer

In all den einsamen Stunden
warst du immer da
mein treuer Wegbegleiter
so smart, so wunderbar

Ich kleide dich mit Freude
in Hüllen aller Farb
und nach der letzten Stunde
nehm ich dich mit ins Grab

geschrieben auf meinem I-phone

© 2026 Klaus Frenzel

Autobiografie

Mein in die Welt kommen
mechanisch ging‘s vonstatten
Geräte, Strom und Druck und Hände
formten mich zurecht

Meine Muttermilch war schwarz
und kam aus Plastikflaschen
damit es immer weiter geht
musste ich zum TÜV

Ich hatte viele Fahrer, Beifahrer
Hinterbänkler und Vierbeiner die
auf meinen Sitzen
ihre Spuren hinterliessen

Ich kam viel rum und
nahm viele Kilometer zu
während mein Wert abnahm
jedoch war ich gut versichert

Ich merkte dass ich älter wurde
als junge Schnösel, geräuschlos
an mir vorbeizogen
gepierced mit Steckdosen
für Biostrom

Schön war die Zeit
dachte ich noch brummend
als mich die Krallen des Krans
packten und davon rissen

Mein letztes Bild
Wände um mich herum
schliessen sich
plattgemacht

©2024 Klaus Frenzel

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